Kaffeeklatsch oder Kaffeekult?

Dr. Feelgood

Morgens ist die Welt noch in Ordnung und voller Perspektiven. Wir beginnen den Tag mit unseren ureigenen Ritualen. Manche treiben Sport, andere lesen Zeitung, bei vielen müssen die persönlichen Rituale aber auch warten bis alle anderen Aufsteher versorgt sind. Für die, die ihn mögen, ist Kaffee ein allmorgendliches Ritual und für manch einen sogar unverzichtbar. „Hello, old friend!“ stand kürzlich auf einer Tafel und unter den Lettern war eine Kaffeetasse abgebildet. Stimmt irgendwie. Einmal Kaffee, immer Kaffee! Ein treuer Begleiter durch gute und schlechte Zeiten, nie launisch oder aufmüpfig. Er stöhnt morgens nicht rum, wippt am Küchentisch nicht unruhig mit den Füßen, stellt keine blöden Fragen und hat auch nicht zum dritten mal in dieser Woche seine Haustürschlüssel verlegt. Außerdem duftet er dabei stets verführerisch. Toller Typ dieser Kaffee. Was würden wir nur ohne ihn machen.

Die richtige Zubereitung ist heutzutage eine Wissenschaft für sich. Der eine schwört auf „handaufgebrüht“, am Besten gefiltert in einem „Porzellanaufsatz“ aus Großmutters Zeiten. Der andere bevorzugt Vollautomaten wegen der „Crema“ oder dem köstlichen Milchschaum. Die eiligen Genießer greifen zu Pads, Tabs oder Instantbeuteln. Und dann gibt es noch die so genannten „Kaffeenerds“, die ihren Kaffee am Liebsten mit Muskeleinsatz selber mahlen und durch komplizierte Apparaturen extrahieren um am frühen Morgen den höchstmöglichen Genussgipfel zu erklimmen. Auch eine Art Frühsport.

Kaffee wirkt anregend und stimulierend zugleich. Ob nach dem Aufstehen, dem Essen oder nach getaner Arbeit, immer heisst es: „So… jetzt erst mal eine schöne Tasse Kaffee.“ Wir belohnen uns mit einer kleinen Portion Glück in der Tasse. Diesen Trend haben die amerikanischen Kaffeegötter schon vor Jahrzehnten erkannt und uns deshalb gepolsterte Huldigungsstätten geschaffen, an denen wir unsere Glücksrituale kollektiv zelebrieren dürfen. Das geht sogar soweit, das uns deren Priester beim Name kennen, den sie noch kurz vor der Ausgabe des Abendmahls mit Filzschreibern auf riesige „umweltfreundliche“ Pappbecher schreiben. Schöne neue Welt.

Wir trinken unseren Kaffee dann doch eher „oldschool“ und bevorzugen es etwas persönlicher. Wir kaufen auch keinen „heiligen Gral“ aus wärmespeicherndem Aluminium mit mundgerechtem Plastikdeckel in dem wir unsere „Gaben“ mit zur Arbeit oder auf den Einkaufsbummel tragen. Dennoch sind auch wir Anhänger dieses Kaffeekults. Und auch wir zelebrieren dieses Ritual und schaffen die passende Atmosphäre. Eine schön gedeckte Kaffeetafel (am liebsten im Shabby-Style) mit frisch gebackenem Kuchen, eine Vase mit Blumen dazu und in der Luft den Duft schwarzen Goldes, mehr braucht es manchmal nicht um einen Sonntagnachmittag perfekt zu machen. Was meint Ihr? Oder trinkt ihr lieber Tee?

So, und jetzt erstmal ne schöne Tasse Kaffee,

euer Team von IMMER ANDERS!

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